Hartmut Reiher, Bild 3, Verkündigungsengel Christus selbst

Der 7. Engel – eine künstlerische Intervention / Hartmut Reiher – Teil 2

Als Maler schätze ich gerade die alten Mauern, ich sehe Bilder aus Ihnen heraus. (Schon Leonardo da Vinci empfahl diese Methode Malern). Als Kind vertiefte ich mich in die damals noch üblichen (gemusterten/bebilderten) Tapeten. Und ich bin wohl ziemlich der einzige Adlershofer, der sich noch an den Engel im Vorraum unserer Verklärungskirche erinnert. Mir kam die Idee, einen Engel zu entwerfen jenseits der Formen des 19. Jahrhunderts, des Historismus. Ich dachte dabei an eine Antwort auf die Gestaltung im Saal, an das Gedenken an die Toten des Ersten Weltkriegs. Das ist gänzlich eingebunden in die Sicht jener Jahre – Heldentum für Kaiser und Reich gekrönt vom Eisernen Kreuz zwischen Lorbeer und Eichenlaub. Es ging mir also um eine Antwort darauf, genährt von unserer Erfahrung bis in diese Tage nicht bloß bis 1945. Ich plädiere nicht für die Entfernung der Tafeln sowie ihre Dekoration: Die Kirche ist auch ein Denkmal unserer Geschichte. Mein Nachdenken ging weiter. Ich wollte den Friedensgruß noch deutlicher aufzeigen, wie ich ihn erinnere auf dem Schriftband des ehemaligen Engels im Vorraum. Und so habe ich einen Engel entworfen, der die Gestalt Jesu zeigt, den Leidenden, nicht den Triumphierenden, Verklärten. Denn Jesus verkündet den Frieden, er ist unser Friede-Fürst, wie es in einer Kantate von Bach erklingt.  Ich meine, diese Botschaft tut uns Christen gut, die wir von ihm in die Nachfolge gerufen sind. Er mutet uns zu friedenstüchtig zu sein.

Im ersten Entwurf (Bild 1) zeige ich einen Engel, der an die Himmelsphäre stößt (Ehre sei Gott in der Höhe). Hier findet noch keine Verkündigung an die Menschen statt, der Engel ist noch ganz bei sich, vielmehr in der Beziehung zu dem, der ihm den Auftrag erteilt.

Bild 2 hingegen zeigt ein menschengestaltetes Wesen, das einen Vorhang aufreißt (Oh Heiland reiß die Himmel auf). Licht strömt über – es ist unsere Welt, die auch nach 1989 noch durch Grenzen gekennzeichnet ist.

In der Version 3 meines Bildes suche ich zum Ausdruck zu bringen, dass der Verkündigungsengel Christus selbst ist. Er selbst bringt den Frieden. Im Anfang leuchtet bereits das Ende auf – das Ziel: Ein neuer Himmel und eine neue Erde. Hier haben wir auch die Verbindung zur Verklärung Jesu, von der unsere Kirche ihren Namen hat. Es ist eine Vorschau auf das Kommende.

Ich stelle mir vor, dass ich eine größere Fassung schaffen könnte – als Einladung zum Nachdenken – Zuspruch und Widerspruch.


Der 7. Engel – Teil 1

eine Rekonstruktion von Thomas Prinzler

Bleistiftskizze des 7. Engels in der Eingangshalle der Verklärungskirche in Berlin-Adlershof