„Die Hoffnung haben wir als einen sicheren und festen Anker unsrer Seele“. Hebräer 6, 19.
In meiner Familie wurde nicht viel über Gott, Glaube oder Kirche gesprochen. Doch an eine Hoffnungsgeste meines Vaters kann ich mich noch immer gut erinnern. Als Jugendliche gab es eine Zeit, in der ich mich ängstigte, vor der Welt, dem Unbekannten, vor der Zukunft. Ich war unsicher, fühlte mich allein, so, als triebe ich allein in einem mickrigen Bötchen auf dem großen, offenen Meer. Eines Tages kaufte mein Vater mir eine Kreuzkette und legte sie mir in die Hände, ohne Erklärungen, ohne Worte. Er spürte wohl meine Sorgen und Ängste. Und so band ich sie um. Die Kreuzkette. Fühlte das Silber. Fest und doch anschmiegsam. Fühlte die Kette. Zart und doch stabil. Die Unruhe in mir, aus Wogen und Wellen, aus Sturm und Wehen, legte sich. Diese kleine Kette da, dieses kleine Kreuz, über meinem Herzen, wurde zu einem Anker für mich. Einem Hoffnungsanker. In Gott. Der mich im Sturm der Unsicherheit in Gott verankerte und festmachte.
Der Anker ist nicht nur eine Vorrichtung, um Schiffe am Meeresgrund festzumachen, sondern auch ein altes christliches Symbol. In vielen Kirchen ist der Anker zu finden, auch in einem unserer Altarfenster. Er symbolisiert für Christ*innen Hoffnung und eine feste, sichere Verbindung zu Gott. Auch heute leben wir in stürmischen, ja unsicheren und unruhigen Zeiten. Die Passionszeit fordert uns fragend heraus: Wer oder was trägt mich? Was hält mich? Worauf baue ich? Und Ostern scheint schon leicht durch. Flüstert uns Antworten entgegen. Wie ein Leuchtturm wirft Ostern dann Licht auf den einen Anker: Jesus. Der Auferstandene. Ostern ist Gottes Zuspruch: Unmögliches wird möglich. Undenkbares wird denkbar. Aus Tod wird Leben. Hoffnung für dich.
Und heute fahre ich mutig weiter, auf den Meeren meines Lebens. Trotz Unsicherheiten. Trotz Ängsten. Trotz Sorgen. Hab mittlerweile die Segel gehisst. Auf meinem kleinen Bötchen. Und spüre Wind im Rücken. Trotz Kratzern, Löchern und Schrammen. Manchmal fahre ich in Häfen ein, wenn Stürme aufziehen. Doch die verlasse ich wieder und fahre weiter, auf den Meeren meines Lebens. Aber immer mit Anker. Mit Kreuzkette. Und Hoffnung.
Ich wünsche frohe und gesegnete Ostern! Und Anker nicht vergessen!
