Programm Kreiskirchentag 2025 im Kirchenkreis Berlin Süd-Ost

Wort an die Gemeinde von Hans-Georg Furian (Superintendent)

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Leserinnen und Leser,

ich beginne mit Fragen. 

Warum kommen Menschen ins Stadion? Und: Was hat Schnee zu tun mit einem angemessenen Verständnis unseres Lebens?  

Trägt der Monatsspruch für Juli zu einem angemessenen Verständnis bei? Er beginnt mit den Worten: ‚Sorgt euch um nichts…‘ (aus dem Brief des Paulus an die Philipper im 4. Kapitel Vers 6). Lässt uns dieses Wort besser verstehen, wie es mit uns steht?

Was treibt uns an? Ist es die Gier nach immer mehr?  

Ich vermute das ist es nicht. Vielmehr treibt uns die Angst an, zu verlieren, was man hat – auch die eigene Bedeutsamkeit. 

Das führt dazu, möglichst alles zu kontrollieren und vieles zu manipulieren: Welt und Mitmensch. Denn: man muss Überraschungen vermeiden!

Dieses Bild, dem der heutige Mensch bei uns entspricht, ist der Horizont, in dem das Wort Gottes erklingt. 

Paulus möchte, dass wir andere überraschen und uns auch von ihnen überraschen lassen. An uns Christen soll man also sehen: dem Leben könnte man auch wie einem Versprechen begegnen. Man muss es nicht wie eine Drohung empfinden, um es dannbeherrschen zu müssen.

Es ist nicht lebensdienlich, ein Leben zu führen, dass geleitet wird durch die Angst, zu verlieren, was man hat – auch die eigene Bedeutsamkeit –. Wer so lebt, schnürt sich die Lebendigkeit ab. Zu uns Menschen passt etwas anderes. Was das ist, macht die Frage nach dem Schnee klar.  

Schnee ist geradezu die Reinform dessen, was wir nicht in der Hand haben. Kommt meine Enkeltochter vor Freude strahlend mit dem frisch gefallenen Schnee durch die Tür, um ihn mir stolz zu zeigen, zerrinnt er ihr zwischen den Fingern. Darin ist der Schnee ein Bild für unser Leben. Unserem Leben widerspricht es, aus Angst vor Verlusten geführt zu werden, um es dann wie Schnee zu umklammern. Unserem Leben sollen wir wie einem Versprechen begegnen – mit Vertrauen – und es nicht wie eine Drohung behandeln – und dann angstvoll kontrollieren und umklammern.

Darum gehört zum Leben, dass wir uns überraschen lassen möchten. Dass es so ist, zeigt auch die Antwort auf die Frage, warum Menschen ins Stadion kommen. Der Anekdote nach wird Sepp Herberger, dem ersten Fußballbundestrainer, diese Frage gestellt. Er soll geantwortet haben: ‚Weil sie nicht wissen, wie es ausgeht‘ – und das gilt –glücklicherweise – nicht nur im Stadion. 

Und weil das so ist, darum fragen wir uns auf unserem Kreiskirchentag wie es mit und in der Freiheit heute weitergeht, weitergeht mit der zuMUTung FREIheit. 

Lassen Sie sich einladen. Kommen Sie an einen Ort, von dem alles andere als Freiheit ausgegangen ist. Wir eignen uns diesen Ort – die ehemalige Stasizentrale (heute: Campus für Demokratie) in der Normannenstraße – durch neue Erfahrungen an. 

Ich freue mich auf Sie am Wochenende 28. und 29. Juni beim Kreiskirchentag. Hier kommen Sie zum Programm: https://www.ekbso.de/index.php/programm-267.html.

Bleiben Sie behütet!

Hans-Georg Furian

(Superintendent)