Die Geschichte der Verklärungskirche und unserer Gemeinde

KUNST

  • Die Apsis
  • Der Gekreuzigte
  • Die Sonne
  • Der Pelikan

BAU

  • Gründung
  • Bauplan
  • Protektorat
  • Einweihung

DDR

  • 1950 – 1990
  • Gemeindeglieder erzählen
  • Pfr. Maxeiner aus Dortmund

Kindergarten

  • Friedenstraße
  • Handjerystraße
  • Pfingsberggasse

Kinder und Jugend

  • Die Anfänge
  • Jungfrauen-/Jünglingsverein
  • Konfirmand*innen
  • Kindergottesdienste
  • Junge Gemeinde/Christenlehre

Musik

  • Die Anfänge
  • Posaunenchor
  • Die Orgel
  • Chöre heute

SANIERUNG

  • Kirchturm
  • Seitenschiffe
  • Sockel
  • Restaurierung der Malereien 

Pfarrer*innen

  • Von 1982 bis heute

Frauen in der Verklärungkirche

  • Die Anfänge
  • Kaiserin Auguste Viktoria
  • Die Evangelische Frauenhilfe
  • Frauenkreise und Besuchsdienste
  • Verwaltung, Musik und Bildung
  • Leitung, Pfarramt, Engagement

Kirchenkampf

  • Bekennende Kirche gegen „Stahlhelmpfarrer“
  • 1933-1945
  • Nach Kriegsende

Zeitstrahl

  • 1892-2025
Die Apsis. Der Gekreuzigte. Die Sonne. Der Pelikan.

Die Apsis

Unterhalb des Tierkreises sind inmitten eines Sternenhimmels sechs Engeldargestellt, die Posaune blasen. In der Offenbarung des Johannes, dem letzten Buch der Bibel, verkünden Engel mit Posaunenklang das Weltgericht. Allerdings sind die Engel in der Apsis unserer Kirche mit zarten Pastellfarben sehr freundlich dargestellt, so dass sie eher an die Engel aus der Weihnachtsgeschichte erinnern, die den Hirt*innen auf den Feldern von Bethlehem die Geburt Jesu verkünden. Unterhalb der Engel sind Bethlehemund Jerusalem, jeweils mit ihren lateinischen Namen bezeichnet, abgebildet, die beiden Orte, in denen das irdische Leben Jesu begann und endete. Darstellungen dieser Städte finden sich in stilisierter Form bereits in byzantinischen Kirchen. Heinrich Heyl schien realistischere Bilder anzustreben und malte beide Orte so, wie er sie möglicherweise auf zeitgenössischen Fotografien oder gar mit eigenen Augen gesehen hatte. So ist in Bethlehem ein Kirchturm zu sehen, möglicherweise als Hinweis auf die Geburtskirche, während in Jerusalem der Felsendom und ein Minarett zu erkennen sind, sowie mehrere Kuppeln, die an die Grabeskirche denken lassen. 

Der Gekreuzigte

Über dem Triumphbogen ist die Kreuzigung Jesu dargestellt. Der Corpus des Gekreuzigten wurde von dem Holzkünstler Balthasar Keller aus Oberammergau geschnitzt. Unter dem Kreuz stehen Maria, erkennbar an ihrer Kleidung in den Madonnenfarben Blau und Purpur, sowie ein Jünger. Nach der Überlieferung des Johannesevangeliums vertraut Jesus in seiner Todesstunde seine Mutter und seinen Lieblingsjünger, in der kirchlichen Tradition mit Johannes identifiziert, einander an. Die unter dem Kreuz knienden und den Gekreuzigten anbetenden Engel werden im Bibeltext nicht erwähnt, begegnen aber hin und wieder auf älteren Kreuzigungsdarstellungen. 

Die Sonne

Die besonders farbenfroh und strahlend ausgemalte Deckenwölbung der Apsis vermittelt Einblicke in himmlische Sphären. Im Zentrum befinden sich vier griechische Buchstaben als Abkürzungen für Jesus Christus (Ἰησοῦς Χριστός), eingeschlossen in einen Ring mit vierzehn Sternen auf blauem Grund und umgeben von Sonnenstrahlen. Der auferstandene und zu Gott aufgefahrene Christus steht wie die Sonne im Zentrum des Kosmos und sendet seine strahlende Energie durch alle himmlischen Sphären, symbolisiert durch die Tierkreiszeichen, hinaus in die Welt. Der Tierkreis (Zodiak) mit Sonne ist ein bereits aus der vorchristlichen Antike bekanntes Bild, das in seiner christlichen Interpretation manchmal in Kirchen begegnet, meist als Fußbodenschmuck (z.B. in der Kirche San Miniato al Monte in Florenz und im Dom zu Siena). Jesus Christus als strahlende Sonne kann auch als Hinweis auf den Namen der Kirche verstanden werden, der sich von der Verklärung Jesu auf einem Berg herleitet. (Mt 17,1-9; Mk 9-13; Lk 9,28-36) 

Der Pelikan

Das Medaillon im linken Zwickelfeld neben dem Triumphbogen zeigt einen Pelikan, der seine Kinder nährt, ein altes Symbol für Jesus Christus und seine aufopferungsvolle Liebe. Damit korrespondiert auf der rechten Seite das Bild des Lammes mit Kelch und Nimbus (Heiligenschein). Es trägt die Siegesfahne mit dem Kreuz als Zeichen der Überwindung des Todes in der Auferstehung Jesu. 

Text: Dorothea Quien


Gründung. Bauplan. Protektorat. Einweihung.

Gründung der Gemeinde

1754 kaufte Christian Sievicke ein vor den Toren Berlins in der Köpenicker Heide gelegenes unbebautes Gebiet von 406 Morgen zum Erbzinseigentum. 1879 wurde aus dem ehemaligen Gutsbezirk die selbstständige Landgemeinde Adlershof mit 144 Einwohnern gebildet. Die entwickelte sich zu einem wichtigen Industriestandort am Rande Berlins. Die Bevölkerungszahl stieg im Verlauf von zehn Jahren um das Zehnfache – 1890 zählte Adlershof 3346 Einwohner. Kirchlich gesehen gehörten die Einwohner zu Köpenick, mussten dort zur Kirche gehen.

Aber 1896 kam es zur Gründung einer eigenen Gemeinde, wie es in der amtlichen Mitteilung vom Dezember 1895 hieß: 

Mit Genehmigung des Herrn Ministers der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten… wird hierdurch Folgendes bestimmt: Die Evangelischen in Adlershof im Kreise Teltow werden… zu einer selbstständigen Kirchengemeinde Adlershof vereinigt.”

Bauplan und Grundsteinlegung

Bald waren es die Evangelischen des Ortes leid, sonntags zu Fuß nach Köpenick zum Gottesdienst zu laufen oder selbigen in der Adlershofer Schulaula zu feiern. Eine eigene Kirche sollte die wachsende Ortschaft bekommen. Pläne wurden erstellt – und auch wieder verworfen, Handwerker gesucht und auch gefunden – und schließlich sollte die Kirche nach einem Entwurf von Baurat Heinrich Klutmann durch Robert Leibnitzerbaut werden. Für den Bau der Kirche bemühte sich die Gemeinde durch Konzerte und Kollekten die benötigten finanziellen Mittel aufzubringen, die trotz der 30.000 Mark aus der kaiserlichen Schatulle und der gleichen Summe von der politischen Gemeinde noch fehlten. Die Baukosten waren auf 100.000 Mark festgesetzt worden. Nach 4 Jahren war die Finanzierung gesichert und der Bau konnte beginnen: mit der Grundsteinlegung am 18. August 1899.

Protektorat

Auf Bitte der Kirchengemeinde hatte Kaiserin Auguste Viktoria(Kirchenjuste) das Protektorat über den Kirchenbau übernommen. Sie unterstützte den Adlershofer Kirchbau durch „Allerhöchste Gnadengeschenke seiner Majestät des Kaisers und Königs“. Und die Kaiserin legte auch den Namen der Kirche fest: Verklärungskirche.

Einweihung der Verklärungskirche

Nach gut einjähriger (!) Bauzeit war alles fertig, die baupolizeiliche Abnahme erfolgt – es konnte zur Einweihung der Kirche geladen werden: Kaiserin Auguste Viktoria ließ es sich nicht nehmen, persönlich zu erscheinen. Für den 17. November 1900 berichtet die Chronik des Evangelischen Kirchenbauvereins zu Berlin über die Kirchweihe in Adlershof: 

Ihre Majestät, die Kaiserin Auguste Victoria, bestieg am Bahnhof einen offenen Vierspänner und fuhr unter lebhaften Zurufen der Bevölkerung durch die Bismarckstraße nach dem neuen Gotteshause, von dessen hohem Turme die schönen Bronzeglocken erklangen.” 
Text: Thomas Prinzler


1950 – 1990. Gemeindeglieder erzählen. Pfarrer Maxeiner aus Dortmund.

Die Adlershofer Gemeinde zwischen 1950 und 1990

Die Adlershofer Gemeinde hatte nach dem Krieg noch über 20.000 Mitglieder, 1990 waren es noch knapp 2000. In der Gemeinde gab es zwei Kindergärten, ein Gemeindehaus im Büchnerweg, das Pfarrhaus mit Büro. Lange Zeit gab es zwei Pfarrstellen, mit Küster, Diakon, KatechetInnen, Gemeindeschwester, KindergärtnerInnen, KantorIn und Hausmeister. Das Einkommen eines Pfarrers oder einer Pfarrerin betrug ca. 600 Mark plus “Bruderhilfe” (Sach- oder Finanzunterstützung von westdeutschen Patengemeinden). Wie war das Leben in unserer Gemeinde zur Zeit der DDR? Vier Menschen aus der Adlershofer Gemeinde erzählen und berichten von ihrem Lebens- und Glaubensalltag:

Friedel Fröhlich erzählt

“Wir sind 1946 als Vertriebene aus der Neumark nach Adlershof gekommen. Zur Konfirmation 1950 waren wir ungefähr 100 Konfirmanden… Sagen wir mal, von den 100 sind vielleicht 10 dabei geblieben. Wir waren überzeugt, dass das eine wichtige Sache ist, die wir da machen. Wir haben im Wald gespielt, sind Zelten gefahren. Wir haben gelesen und gesungen. Unsere Lieder forderten zum Kampf und zum Widerstand auf, wir wollten Christus gegen den Kommunismus verteidigen, deswegen sind wir dabei geblieben… Überall, wohin ich kam, habe ich in der Gemeinde, bei den Pfadfindern, auf den Kirchentagen, in den Kreisen und Gruppen, in den Osterseminaren usf. prächtige Kerle und Freunde gefunden und behalten. Auch meine Frau Inge kannte ich lange aus der Jungen Gemeinde und von Kirchenkreis-Freizeiten. In die Zukunft schaue ich ziemlich pessimistisch mit diesen ganzen Verschuldungsmaßnahmen… Die werden uns bald alle irgendwie furchtbar treffen. Aber die Kirche ist so einfach nicht kleinzukriegen.“

Gabi Prinzler erzählt

“Meine Eltern waren keine frommen Christen, der Kirche aber verbunden. Sie schickten mich mit Schulbeginn Anfang der 60er Jahre zur Christenlehre. Zwei ältere Katechetinnen, Frau Fülscher und Frau Nossek, erzählten biblische Geschichten, malten und bastelten mit uns und verteilten Sammelbilder. Das war ganz nett, hätte mich aber sicher nicht in der Gemeinde gehalten, hätte nicht eines Tages ein junger Katechet mit Gitarre und vielen neuen Ideen die Arbeit übernommen. Von da an waren wir begeistert von allem, was Hans-Jürgen Fredrich anbot. Bindung, auch Bindung zur Gemeinde hat immer etwas mit den Menschen zu tun, die einem dort begegnen. Anfang der 90er Jahre haben die nette Atmosphäre im Kindergarten und die Kindergartenfahrten nach Gussow dazu beigetragen, sich in der Adlershofer Gemeinde wieder mehr einzubringen. Ahnungslos was mich erwartet, habe ich mich in den Gemeindekirchenrat wählen lassen und dort dann 24 Jahre mitgearbeitet. Aus der Kindergartenelternzeit ist auch unser Hauskreis hervorgegangen und trifft sich seit nun mehr 28 Jahren.”

Ingo Maxeiner erzählt 

(langjähriger Pfarrer der Partnergemeinde St. Marien aus Dortmund)

”Kennengelernt habe ich die Adlershofer Gemeinde mit meinem ersten Besuch über Himmelfahrt Anfang Mai 1989 mit dem Besuch einer kleinen Delegation der Ev. St. Marienkirchengemeinde, (…). Gewohnt haben wir in einer Westberliner Unterkunft und durften jeweils tageweise per Passierschein nach Ostberlin einreisen. Mich beeindruckte, dass in der DDR zu einer Gemeinde zu gehören, ein besonderes, engagiertes Bekenntnis zu Gott und zu seinem Volk war. Besonders erinnere ich mich an meine erste Dienstzeit in Adlershof im November 1991 in Adlershof (der viele weitere folgten), als zeitgleich Pfarrerin Quien den Pfarrdienst in St. Marien wahrgenommen hat, und wir die Lebenswirklichkeit der jeweils anderen Gemeinde haben kennenlernen dürfen. Viele Personen haben meine Erinnerung geprägt. Wenn ich nur eine Person nenne, möchte ich an die Gemeindekirchenrätin Helga Littmann denken, in deren Frauenkreis ich regelmäßig zu Gast war.”

Interview und Text: Thomas Prinzler


Friedensstraße. Handjerystraße. Pfingstberggasse.

Kindergarten Friedensstraße

1901 Die “Frauenhülfe” Adlershof plant eine Kleinkinderbewahranstalt zu eröffnen.

1904 Das Kinderheim wird in der Friedenstr. 7 eröffnet, eine Diakonisse betreut die Kinder. Aus 3 Zimmern im Erdgeschoss wird ein Saal für den Kindergarten, im 1. Stock ist die Gemeindeschwesternstation. Im 1. Weltkrieg gingen die Einnahmen zurück und die seit 1910 tätige Leiterin Schwester Auguste Hage musste entlassen werden. Frauen aus der Gemeinde wurden hilfsweise eingesetzt, waren den Aufgaben aber nicht gewachsen. Die Zahl der Kinder ging auf anfangs 35 zurück, stieg aber gegen Ende des Krieges auf 75, von denen die Hälfte schulpflichtig war.


1918

Schwester Margarethe Liedigk wird Leiterin des Kinderheimes Die Kriegsfolgen und Gründung der Weimarer Republik brachten neue Probleme: Die antireligiöse Haltung der herrschenden Sozialdemokratie führte dazu, dass viele Eltern ihre Kinder nicht ins Kinderheim schickten, damit sie nicht religiös beeinflusst würden. 1922Die wachsende Inflation führt zur Verringerung der Mittel und das Heim soll schließen. Ein Zeitungsartikel appelliert an den Gemeinsinn der Bürger*innen zu helfen. Danach kommt Hilfe von vielen Seiten: vom Stadtbezirk, dem Ev. Kinderpflegeverband und wohlhabenden Gemeindegliedern. 1924 Nach der Inflation stabilisiert sich die Lage. Die Zahl der Kinder im Heim nimmt zu. 1929 Erst jetzt kann eine zweite Kindergärtnerin eingestellt werden. 1931 In Folge der Wirtschaftskrise verschlechterte sich die Lage erneut, da die finanziellen Zuschüsse des Stadtbezirks stark eingeschränkt wurden. 
1935 Die beginnende nationalsozialistische Herrschaft wirkte sich auch auf die Arbeit der ev. Kindergärten aus: Die Kinder sollten laut Ev. Kinderpflegeverband „…im evangelischen Glauben erzogen werden. Aber auch wissen, dass sie deutschen Blutes und deutscher Art sind…“ Das Bezirksamt zweifelte an der nationalsozialistischen Erziehung der Kinder: „Bei der letzten Besichtigung des Kindergartens hing das Bild der verstorbenen Kaiserin noch immer auf dem alten Platz, dagegen hat man das Bild des Führers an möglichst wenig auffallender Stelle aufgehängt.“ Die Kinder und Angestellten grüßten weiterhin mit „Guten Morgen“ und wendeten den Deutschen Gruß nicht an. Die Erziehung der Kinder geschehe lediglich im kirchlichen Sinne. 1940Margarete Liedigk beendet ihre Leitung des Kindergartens. 1941 übernahm die Kirchengemeinde das Haus Friedenstraße 7 und die Verantworung für den Kindergarten. Nach Kriegsende im Juni 1945 erklärte eine Vertreterin des Bezirksamtes den Kindergarten samt Inventar für beschlagnahmt. Am nächsten Tag protestierte Pfarrer Goosmann beim Bezirk und erwirkt, dass der Kindergarten offen und die Kirchengemeinde Trägerin der Arbeit bleibt. 1977 mußte der Kinderhort aus der Genossenschaftsstraße in die Friedenstraße

übersiedeln, für ihn wurden Boden und Mansarde ausgebaut. 1991 wurden Hort und Gemeindeschwesternstation aufgelöst und der Kindergarten konnte das ganze Haus nutzen. Bis zur Zusammenlegung der Kindergärten übernahm Dörte Labuhn die Kindergartenleitung.

Kindergarten Handjerystraße 

1945 Angesicht des Arbeitseinsatzes viele Mütter wird ein Kinderhort eröffnet, erst in den Kellerräumen der Pfarrhauses, später in der Handjerystraße. In den 50er Jahren gibt es dort 40 Kinder mit 2 Erzieherinnen. 1961 Die westberliner Leiterin Frau Schaller muss ihre Arbeit aufgeben, weil sie durch den Mauerbau ihre Arbeitserlaubnis verlor. 1973 der Kindergarten bekommt einen eigenen Spielplatz, vorher gingen die Kinder mit den Erzieherinnen auf einen der Spielplätze der Umgebung. Die Anwohner*innen sorgten sich um zu viel Lärm und wollten beim Bezirksamt ein Verbot erwirken, doch Pf. Dr. Knoch konnte durch persönliche Gespräche die Abneigung besiegen. 1984 Die Leiterin Frau Markert flieht aus der DDR nach Westdeutschland. 1995 feiert der Kindergarten sein 50jähriges Bestehen. Bis zur Zusammenlegung der Kindergärten übernahmen erst Frau Gottschalk und dann Frau Herzog die Leitung.

Kindergarten Pfingstberggasse

2005 Der Kindergarten Handjerystraße ist nicht mehr wirtschaftlich, weil die Mieten steigen. Ein Neubau auf einem der kircheneigenen Grundstücke wird erwogen, kann aber nicht finanziert werden. Darum wird nach einer anderen Lösung gesucht. 2006 Die Gemeinde kann den bis dahin kommunalen Kindergarten in der Pfingstberggasse 2 übernehmen. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten wurde im September 2006 der Evangelische Kindergarten an diesem Standort feierlich eröffnet. Er bietet 75 Plätze. Die zwei bisherigen Kindergärten der Gemeinde, in der Friedenststraße und in der Handjerystraße, wurden dort zusammengeführt. Seit 2007 leitet Sabine Kaulbarsch mit einem bunten Team aus 20 Mitarbeiter*innen erfolgreich den Kindergarten. Es gibt eine enge Verbindung und Zuammenarbeit von Gemeinde, Kirche und Kindergarten.

Text: Annette Pietzsch, Frederik Pietzsch, Maike Schöfer


Die Anfänge. Jungfrauen-/Jünglingsverein. Konfirmand*innen. Kindergottesdienste. Junge Gemeinde/Christenlehre.

Die Anfänge

1897 Bericht über das kirchliche sittliche Leben in Adlershof von Pfarrer Tiedge: “Hoffnung auf eine andauernde Hebung des kirchlichen Lebens lässt sich nur dann hegen, wenn es gelingt, die Jugend an einen regelmässigen Besuch der Kirch zu gewöhnen. In diesem Bestreben wird das Pfarramt von der Schule bestens unterstützt. Trotzdem wird es bei der oft mangelnden Unterstützung durch der Eltern Autorität und Vorbild auch bei vereinter Arbeit der Berufenen heissen, sich in Geduld zu fassen.”

1898 Die Zahl der Kirchenbesucher*innen betrug im Schnitt 75. Die Zahl der Kinder bei Kindergottesdienstes betrug durchschnittlich 40. 1899 Es gibt Klagen, dass die Jugend der Kirche den Rücken kehrt, deswegen bemühte sich die Gemeinde von Anfang an um die Jugend.

Der Jünglingsverein und der Jungfrauenverein

Um 1900 Gründung eines Jünglingvereins, der später zum CVJM gehörte: Die Treffen finden einmal wöchentlich statt mit Andachten, Singen, Spiel, sportlicher Betätigung und Diskussionsabenden. Die Frauenhilfe kümmerte sich um weibliche Jugend. 1903 Gründung des Jungfrauenvereins mit Treffen alle zwei Wochen unter Leitung der Gemeindeschwester. Ein vielseitiges Programm für die Arbeit mit der weiblichen Jugend wird organisiert: Stenographie- und Schneiderkurse für wenig Geld, gemeinschaftliche Unternehmungen wie z.B. Vorträge, Handarbeitskurse, Erste-Hilfe-Kurse, sportliche Veranstaltungen und Ausflüge. 1934 Der Anbruch der nationalsozialistischen Herrschaft zerschlug die kirchliche Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.

Konfirmand*innen

Von Anfang an gab es in der Gemeinde Konfirmationsunterricht. Anfang des 20. Jahrhunderts nahmen teilweise über 100 Konfirmand*innen in einem Jahrgang teil. Der Konfirmationsunterricht wurde von den Pfarrpersonen, Gemeindepädagog*innen und Ehrenamtlichen gestalten und begleitet. Heute sind die Konfirmationskurse wesentlich kleiner und auch der gemeindepädagogische Ansatz hat sich verändert. Fort von Unterweisung, hin zu Unterricht heißt es nun Konfirmationszeit. Boykottierung der Konfirmation bei Pfarrer Goosmann: Am 26.3.1936 soll die Einsegnung stattfinden. Die Eltern werden von Parteibeauftragten aufgefordert, ihre Kinder nicht bei Pf Goosmann einsegnen zu lassen, die ganze Aktion fand zusammen mit der HJ und dem BDM statt. 

Kindergottesdienste

Der Kindergottesdienst spielte von Anfang an eine große Rolle. Vor dem Bau der Kirche nahmen etwa 40 Kinder teil, nach dem Kirchbau 120 – 140 Kinder, mehrere Helfer*innen betreuten die Kinder. Dies hielt sich bis zum Beginn des 1. Weltkrieges. Nach 1918ging die Zahl auf 40 Kinder zurück. Jedes Jahr fand ein großer Ausflug mit den Kindern nach Grünau statt, am Ostermontag gab es Ostereiersuchen in den Müggelbergen. Beim Kindergottesdienst, der parallel zum Gottesdienst der erwachsenen Gemeindeglieder stattfand, wirkten ehrenamtliche Helfer*innen mit. Je nachdem wie groß dieser Helfer*innenkreis war, fand der Kindergottesdienst an jedem Sonntag oder seltener statt. Heute finden keine gesonderten Kindergottesdienste mehr statt, sondern Gottesdienste für die ganze Familie . 

Junge Gemeinde

In den 50er Jahren gibt es so viele verschiedene Gruppen der Jungen Gemeinde, dass die Räume oft nicht reichen. Die Junge Gemeinde zählt etwa 150 Mitglieder, von denen 100 zu

den 8 Gruppen gehören, die sich von der inneren Gestaltung her zur Christlichen Pfadfinderschaft zählen. Durch die politische Entwicklung der DDR steigen Verunsicherung

und Furcht und bereiteten der Vielfalt der christlichen Jugendgruppen ein jähes Ende, nur der harte Kern blieb. Nach dem die Junge Gemeinde in den letzten Jahren immer weniger wurde, hat sich nun eine neue Gruppe junger Menschen gefunden.

Christenlehre

Die Arbeit mit Kindern erfolgte hauptsächlich im Rahmen der Christenlehre und im Kinderchor. Die Christenlehre war in der DDR entstanden, da der Religionsunterricht an der Schule, obwohl in der DDR-Verfassung von 1949 noch festgeschrieben, in den 1950er Jahren immer mehr zurückgedrängt wurde und schließlich gar nicht mehr möglich war. In der Regel kamen die Schulkinder bis einschließlich Klasse 6 einmal pro Woche in einem Raum der Gemeinde in altersspezifischen Gruppen zusammen, die von eine*m Katechet*in geleitet wurden.

Text: Annette Pietzsch, Frederik Pietzsch, Maike Schöfer


Die Anfänge. Posaunenchor. Die Orgel. Chöre heute.

Die Anfänge

1898 – Aufruf, dass alle sangesfreudigen Gemeindeglieder sich melden sollten, um einen Kirchenchor zu gründen. 1899 – Gründung des Vereins „Gemischter Chor“, inklusive Statut und Vorstand, Vorsitzender war Lehrer Helbig, der den Chor bis zu seinem frühen Tod 1907 leitete. Der Chor übte in der Aula der Alten Schule. Er hatte am Anfang 54 Mitglieder. Das erste Konzert fand 1899 statt.

Posaunenchor

30er Jahre – Gründung des Posaunenchores vom Vater von Pfr. Goosmann (Jugendrichter). Er besorgte dafür Instrumente, die aus „Bußgeldern“ finanziert wurden. Ende der 30er Jahre wurden die Instrumente von der Hitlerjugend konfisziert. Der Posauenchor löste sich kurze Zeit später auf Druck der Hitlerjugend auf.

1945 – Wiedergeburt des Posaunenchores: im Orgelkasten findet sich ein Helikon vom ehemaligen Adlershofer Posaunenchor, dazu noch eine alte Trompete. Als wieder neue Blechblasinstrumente produziert wurden, konnten weitere Instrumente gekauft werden. Geübt wurde im Kirchensaal. Noten waren in der ersten Zeit schwer zu bekommen. Bei den ersten Einsätzen des Posaunenchores halfen noch die Bläser der Erlöserkirchengemeinde Berlin-Lichtenberg. Kantor Focko Hinken hat 2021 den Posaunenchor ein weiteres Mal aufgebaut und belebt. Er ist fester kirchenmusikalischer Bestandteil der Kirchengemeinde.

Die Orgel

1900 – Erste Orgelweihe: Die ursprüngliche Orgel (rechtzeitig zur Kirchweih geliefert) von der Firma Friedrich Becker, Hannover, wurde gestiftet von Frau Agnes von Oppen. Es war das billigste Angebot – dies war eine schwerwiegende Fehlentscheidung, wie sich später herausstellte. Die mechanische Traktur war von Anfang an mangelhaft. Kantor Herold konstatierte 1926 – „Die Orgel ist das Werk eines Pfuschers“. Fachleute rieten zum Neubau der Orgel, doch es fehlte das Geld. Ab 1933 – Die gerade eingeführten Orgelfeierstunden konnten nicht mehr von der Orgel begleitet werden, man mußte auf andere musikalische Darbietungen umstellen.

1934 – Zweite Orgelweihe: die jetzige Orgel von Firma Walcker, Ludwigsburg, wird gebaut. Dabei fanden Teile der alten Orgen Verwendung. Die machanische Traktur wurde unter Beibehaltung der alten Kegelladen durch eine elektropneumatische Traktur ersetzt. 1946 – Notdürftige Reparatur der im Krieg entstandenen Schäden durch Orgelbaumeister Schuke. 1956 – Generalüberholung, 26 klingende Register. 1987 – Neues Gebläse, das durch die Dortmunder Partnergemeinde finanziert wurde. 1998 – Dritte Orgelweihe: Generalüberholung der Orgel.

Chöre heute

Die Kirchenmusik ist eine der Säulen der Evangelischen Kirchengemeinde BerlinAdlershof. Die Kirchengemeinde zeichnet sich durch verschiedene Chöre und experimentelle wie klassische kirchenmusikalische Projekte aus. Kantorei – Seit der Gründung trägt die Kantorei immer wieder Musik zum Gottesdienst bei, insbesondere bei besonderen Anlässen. Zweimal im Jahr, im Sommer und im Advent, werden große Konzerte mit Orchester gegeben. Heute wird die Kantorei von Kantor Focko Hinken geleitet. Kinderchöre – Kantorin Beate Schlegel übernahm 1983 die Kinderchöre. Jedes Jahr wurden zwei Kindermusicals zur Aufführung gebracht, sei es als Weihnachtsspiel oder als Sommerkonzert. Bis heute führt Kantor Focko Hinken die Kinderchöre erfolgreich weiter: von Kindermusicals wie Heldinnen der Bibel bis hin zu Jona und der Wal.

Posaunenchor

Bis heute existiert der Posaunenchor Eagle Brass samt Helikon aus der Gründungszeit. Er ist über die Kirchengemeinde hinaus aktiv, ob beim Kreiskirchentag oder dem Deutschen Evangelischen Posaunentag. Seit 2025 werden interessierte Kinder, Jugendliche und Erwachsene in zwei Gruppen an Blechblasinstrumenten unterrichtet und an den Posaunenchor herangeführt.

Gospelchor

Der Gospelchor Eagle Voices wurde von der damaligen Kantorin Beate Schlegel 1997 aus einem Jugendchor gegründet. Neben regelmäßigen Auftritten und Teilnahmen an Gospeltreffen entsteht 2002 eine CD. Heute leitet Kathrin Duschek erfolgreich den Gospelchor. Neben Auftritten zu Gemeindefesten und Gottesdiensten ist der Gospelchor ein gefragter Chor für Auftritte in der Region.

Text: Annette Pietzsch, Frederik Pietzsch, Maike Schöfer


Kirchturm. Seitenschiffe. Sockel. Restaurierung der Malereien .

Die Verklärungskirche – ein seltenes Kleinod des Kirchenbaus, sie hat zwei Kriege überstanden, ist Wahrzeichen Adlershofs, seit 120 Jahren. Vor allem der Kirchturm ist gefährdet, ,,das höchste Bauwerk unseres Ortsteils“. So stand es in einer ersten Bauinformation vom Juli 2019.

Bauabschnitt 1

2018 haben Restaurierungsarbeiten an der Rückseite also der Ostseite der Kirche begonnen. Insbesondere gab es Schäden an den Wimpergen, den giebelartigen Bekrönungen der Fassade. Diverse Schäden am Mauerwerk, sowie verrostete Träger wurden gefunden, die das Mauerwerk über stählerne Zuganker zusammenhalten.

Bauabschnitt 2

Der Turm wies auch Schäden auf. Die Träger, welche die Turmhaube mit einem Zuggestänge im Mauerwerk halten, waren durchgerostet. Es fand sich Ringanker aus Stahl, die dort, wo sie rosten, das Mauerwerk auseinandersprengen. Ebenso waren Träger betroffen, die über den Schallöffnungen eingebaut sind, damit man die Glocken aus dem Turm heraus bzw. neu herein heben kann. Hinter den Zifferblättern der Turmuhr gab es auch Schäden. Alle Schäden konnten behoben werden.

Bauabschnitt 3

Beim nächsten Bauabschnitt 3 wurden die Seitenschiffe mit den großen Fenstern bearbeitet. Viele der verputzten Flächen, über den Fenstern, Türen und Zierbänder, waren beschädigt oder lagen hohl. Sie mussten zum großen Teil erneuert werden. Das zog sich über alle Bauabschnitte. Das war aufwendiger, als es zuvor eingeschätzt werden konnte. Es gab auch beschädigte Steine rund um an der Kirche. Manches waren Kriegsschäden, anderes ist durch Verwitterung entstanden.

Bauabschnitt 4

Im Bauabschnitt 4 wurden der Kalksandsteinsockel, dann die seitlichen Apsiden und auch das Mauerwerk an der Apsis des Altarraumes, sowie die Eingangstüren rund um die Kirche, in einen guten Zustand gebracht. Der Sockel der Kirche ist mit Rüdersdorfer Kalksandstein verkleidet. Hier gab es diverse Schäden: Steine waren beschädigt, manche Steine lösten sich ab, die Fugen waren ausgewaschen und es gab verschmutzte Bereiche.

Bauabschnitt – Restaurierung der Malereien

Unter den Emporen, im Eingangsbereich und in den Treppenaufgängen wurde die Malerei an den Wänden in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts weiß übermalt, deshalb wurden restauratorische Untersuchungen vorgenommen, um das ursprüngliche Bild zu ergründen. Vieles von dem nicht mehr Sichtbaren wurde dabei gefunden. Nach der Bewilligung von Geldern in Höhe von insgesamt einer Million Euro und nach Abstimmung mit der Denkmalpflege konnten mit der Restaurierung und teilweise Rekonstruktion der Malereien begonnen werden. Im Eingangsbereich sind die Verluste an der originalen Malerei am größten. Hier wurden die Decke und die Flächen an den Seiten mit großem Aufwand freigelegt. Die Denkmalpflege hat uns hier mit zusätzlichen finanziellen Mitteln unterstützt. 2025 konnten die ersten Restaurierungsarbeiten abgeschlossen werden. An den Fensterlaibungen auf den seitlichen Emporen strahlen wieder gemalte Schmuckbänder. Unter den Emporen ist wieder die alte Vorhangmalerei entstanden. Im Eingangsbereich ist die originale Malerei frei gelegt worden.

Text: Bernd Goße


Von 1892 bis heute

Emil Domnick 1892 – 1898 als Hilfspediger und Pfarrverweser

Alfred Schulze 1898 – 1902

Friedrich Starcke 1903 – 1928

Richard Graewe 1929 – 1936

Max Goosmann 1929 – 1969

Lic. Johannes Heintze 1936 – 1944

Friedemann Elsell 1945 – 1948 (kommis. Verwaltung)

Karl Höhne 1948 – 1953

Herbert Reichenbach 1954 – 1973

Dr. Michael Knoch 1972-1980

Gabriele Müller 1974-1989

Heinz -Otto Seidenschur 1981-1983 (Verwaltung einer Pfarrstelle)

Jürgen Huhn 1984 – 1997

Dorothea Quien 1991 – 2022

Maike Schöfer seit 2023


Die Anfänge. Die Kaiserin. Die Frauenhilfe. Die Frauenkreise. Die Verwaltung. Die Leitung.

Die Anfänge

Von den ersten Anfängen der christlichen Gemeinschaft an, spielen Frauen eine wichtige Rolle bei deren Gestaltung. Nicht anders war und ist es in der evangelischen Kirchengemeinde Berlin-Adlershof. Freilich treten sie auch hier, wie in der gesamten Gesellschaft, zunächst in den traditionell als frauenspezifisch angesehenen Tätigkeitsbereichen in Erscheinung, vor allem in der Ausübung von Sorgearbeit (Carearbeit). Bis Frauen Leitungsaufgaben in der Gemeinde übernehmen konnten, vergingen Jahrzehnte.

Kaiserin Auguste Viktoria

Am Beginn der Baugeschichte der Verklärungskirche begegnet an prominenter Stelle eine Frau: Kaiserin Auguste Viktoria. Sie hatte das Protektorat über den Berliner Kirchenbau-Verein inne und übernahm auch die Schirmherrschaft über den Bau der Verklärungskirche. Ihr zu Ehren fertigten die Schwestern Hermine und Rosalie Munckel in Smyrnatechnik einen Altarteppich mit dem Monogramm der Kaiserin (AV) und einer Krone darüber. Die Stickereien für die Paramente (Behänge von Altar und Kanzel) wurden von Minnie Meyerausgeführt. Agnes von Oppen, die Ehefrau des Adlershofer Gutsbesitzers, finanzierte den Bau der Orgel. (Wobei sie sich leider für ein minderwertiges Instrument entschied).

Die Evangelische Frauenhilfe

Nachdem auf Anregung der Kaiserin im Jahr 1899 die „Evangelische Frauenhilfe“ ins Leben gerufen worden war, um in den Kirchengemeinden soziale und diakonische Arbeit zu leisten, gründete sich bereits 1901 in Adlershof eine solche Gruppe, anfangs als „Frauenhülfe“ bezeichnet. 1902 konnte durch die Frauenhilfe eine Diakonisse aus dem Paul-Gerhard-Stift, Ernestine Ebner, als Gemeindeschwester angestellt werden. Zu ihren Aufgaben gehörten Tätigkeiten im Bereich der Krankenpflege und Fürsorge für Bedürftige sowie die Betreuung der weiblichen Jugend in der Gemeinde. Bis 1991 waren insgesamt vierundzwanzig Gemeindeschwestern in Adlershof tätig. Ab 1945 kamen sie vom Evangelischen Diakonieverein Berlin-Zehlendorf. Die letzte Gemeindeschwester war von 1970 bis 1991 Ursula Mühlichen.

1904 konnte durch die Frauenhilfe eine „Kleinkinderbewahranstalt“ zur Unterstützung der berufstätigen Frauen gegründet werden. Dies war der erste Kindergarten in Adlershof. Er befand sich, wie die Gemeindeschwesternstation, in der Friedenstraße 7. Als erste Gemeindehelferin wurde 1911 Elisabeth Ebersbach angestellt.

Frauenkreise und Besuchsdienste

Ursprünglich von Schwester Ursula Mühlichen, später von Ehrenamtlichen, z.B. Helga Littmann, geleitet, bestand bis 2021 ein Frauenkreis, der sich regelmäßig zu thematischen Nachmittagen und Bibelarbeiten traf, Ausflüge organisierte und die Gemeindearbeit unterstützte. Einige Frauen dieses Kreises betätigten sich im Besuchsdienst, der viele Jahre lang von der ehemaligen Küsterin Ilse Schulz organisiert wurde. Andere Frauen betätigten sich beispielweise im Vorbereiten der Kirche für die Gottesdienste.

Verwaltung, Musik und Bildung

Als Küsterinnen und Verwaltungsmitarbeiterinnen waren und sind bis heute Frauen im Gemeindebüro oft die erste Ansprechperson für Menschen innerhalb und außerhalb der Gemeinde. Stellvertretend für viele dieser Mitarbeiterinnen sei Siegrid Kulka erwähnt. Als Kantorinnen waren Renate Zerneckow (1978-1982) und Beate Schlegel (1983-2020) in unserer Gemeinde tätig. Zahlreiche Katechetinnen begleiteten Kinder der 1. bis 6. Klasse in der Christenlehre, unter ihnen Ingard Seeger.

Leitung, Pfarramt, Engagement

Margarete Suppas engagierte sich während der Zeit des Nationalsozialismus, als in Adlershof ein erbitterter Kirchenkampf geführt wurde, im erweiterten Bruderrat der Bekennenden Gemeinde. Sie verstecke in ihrer Wohnung eine jüdische Frau und wurde deswegen von der Geheimen Staatspolizei verhört.

Die Mitarbeit von Frauen im Gemeindekirchenrat, dem Leitungsgremium der Gemeinde, wurde in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts immer selbstverständlicher. Rosemarie Ahl übte viele Jahre lang das Amt der stellvertretenden GKR-Vorsitzenden aus.

Ruth Boge arbeitete lange Zeit im Gemeindekirchenrat mit. Mit großer Sorgfalt ordnete sie das Archiv der Gemeinde und erwarb sich große Verdienste um die Erforschung der Gemeindegeschichte.

Mit Gabriele Müller übernahm 1974 zum ersten Mal eine Frau eine Pfarrstelle in Adlershof. Sie war bis 1989 hier tätig. Ihr folgten Dorothea Quien (1991-2022) und Maike Schöfer (seit 2023) im Pfarramt. Regina Schulzwar von 1978 bis 1979 vertretungsweise als Pfarrerin in der Gemeinde tätig.

Text: Dorothea Quien


Bekennende Kirche gegen „Stahlhelmpfarrer“. 1933-1945. Nach Kriegsende.

Bekennende Kirche gegen „Stahlhelmpfarrer“

„Die Auseinandersetzungen während des Kirchenkampfes in der Gemeinde Adlershof gehörten zu den schärfsten und erbittersten in Berlin“ – Ruth Boge in einem Beitrag über den Kirchenkampf in Berlin von 1932-1945.

Juli 1933

Es wurden Kirchenwahlen durch die Nationalsozialisten angeordnet. Adolf Hitler rief am Vorabend der Wahlen zur Stimmabgabe für die Deutschen Christen (DC) auf. 1.949 Stimmen erhielten die Deutschen Christen unter DC-Pfarrer und SA Mitglied Dr. Richard Graewe (1. Pfarrer in Adlershof), er nannte sich selbst „Stahlhelmpfarrer“. 1.236 Stimmen erhielt die Liste „Evangelium und Kirche“, die vom Kaufmann Siegfried Bernhardt angeführt und von Pfarrer Max Goosmann (2. Pfarrer in Adlershof) unterstützt wurde.

September 1933

Beschluß der Generalsynode der altpreußischen Landeskirche (auch hier war die DC die stärkste Kraft) zur Übertragung des staatlichen „Arierparagraphen“ in die Kirchengesetzgebung. Im Gegenzug entstand der Pfarrernotbund zur Unterstützung der bedrohten Amtsbrüder. Unmittelbar nach dessen Gründung, trat Pfarrer Gossmann dem Pfarrernotbund bei.

Dezember 1933 – März 1934

Die Deutschen Christen starten eine Kampagne zur Ablösung von Pfarrer Goosmann, die am am 19. März 1934 zur Zwangsbeurlaubung durch das Evangelische Konsistorium führte. Die Suspendierung von Pfarrer Gossmann wurde u.a. auch durch die zahlreichen Proteste in der Adlershofer Gemeinde aufgehoben. Es wurde bspw. eine Bittschrift verfasst, in der es hieß: „Wir, die unterzeichneten Mitglieder der evangelischen Verklärungsgemeinde Adlershof, bitten darum, dass Herr Pfarrer Goosmann der Gemeinde als Pfarrer erhalten bleibt“. Innerhalb weniger Tage wurden über 1.800 Unterschriften gesammelt.

1935 – 1939

Pfarrer Goosmann und seine Frau Alice sind im Dezember 1934 die ersten Mitglieder der Bekenntnisgemeinde in Adlershof. Aber auch nach dem Weggang von Pfarrer Graewe gegen Ende 1935 waren die Deutschen Christen bestrebt, Pfarrer Goosmann aus Adlershof zu entfernen und ihm seine Arbeit zu erschweren. Von Beginn an zielten die Auseinandersetzungen auf die Herkunft von Pfarrer Goosmann, der nach nationalsozialistischer Anschauung als „Halbjude“ galt. Max Goosmann arbeitete ehrenamtlich ab dem Frühjahr 1939 für das „Büro Grüber“, das sich für die Auswanderung „nicht-arischer Christen“ einsetzte.

1940 – 1945

Für die Familie Goosmann wurde die Situation in Adlershof immer schwieriger. Frau Alice Goosmann erkrankte schwer u.a. aufgrund der jahrelangen Repressionen. Das Konsistorium entschied, Pfarrer Goosmann sollte sich bis zum 1. April 1940 um eine andere Pfarrstelle bemühen, andernfalls werde er in den Wartestand versetzt. In der sehr belastenden familiären und dienstlichen Situation entschloß sich Pfarrer Goosmann, dem allseitigen Druck durch eine Meldung zum Militärdienst zu entgehen. Drei Jahre später wurde er aus der Wehrmacht entlassen, wahrscheinlich aufgrund eines Denunziationsschreibens der Ortsgruppe der NSDAP über seine „nichtarische Herkunft<. Im Juni 1943 erklärte das „Sippenamt“ Max Goosmann auf dessen Antrag hin für „arisch“. Das hatte seine Wiedereinsetzung als Pfarrer in Adlershof durch das Konsistorium zur Folge. Am 29. August 1943 predigte Pfarrer Goosmann nach seiner fast vier Jahre dauernden erzwungenen Abwesenheit wieder in Adlershof.

Nach Kriegsende

Trotz jahrelanger Angriffe tief verletzt, bemühte sich Max Goosmann in Adlershof um Versöhnung und blieb bis 1969 Pfarrer in Adlershof. Er musste leider erleben, wie einer seiner früheren kirchenpolitischen Gegner, einstiger DC-Pfarrer, als Vertreter der Blockpartei CDU nun von den DDR-Behörden hofiert wurde. Pfarrer Goosmann starb 1971. Sein Grab befindet sich auf dem Adlershofer Friedhof.


1892-2025

2025

Umfassende Sanierungsarbeiten des Pfarrhauses beginnen. Die Gemeinde verpachtet das Grundstück hinter der Verklärungskirche an den Kirchenkreis Berlin Süd-Ost. Dort wird eine Kita errichtet mit einem neuen Gemeinderaum.

2022

Nach Beginn des Angriffskrieges gegen die Ukraine beschließt die Gemeinde, zwei ukrainische Familien vorübergehend im Pfarrhaus aufzunehmen. Viele Gemeindeglieder engagieren sich bei der Einrichtung der beiden Wohnungen.

2018

Umfassende Sanierungsarbeiten in und an der Verklärungskirche beginnen. Ab 2023 werden die Malereien an den Wänden der Kirche rekonstruiert und restauriert.

2011

Feier des 111. Jubiläums der Kirchweihe. Pfarrer Philipp Kirill von Preußen, Ururenkel von Kaiserin Auguste Viktoria, predigt im Festgottesdienst.

2003

Erster Ökumenischer Kirchentag in Berlin und die Gemeinde betreut zusammen mit der kath. Gemeinde die Quartiere in der Anna-Seghers-Schule. Aus Anlass des Kirchentages wurde die „Ökumenischen Pforte“ zwischen den Grundstücken der ev. und kath.Gemeinde eröffnet.

2000

Festjahr zum 100. Kirchweihjubiläum. Viele Konzerte finden statt, ein Sommerfest zum Jubiläum, eine Festwoche im November und ein Festgottesdienst am 12.11., in dem Bischof Wolfgang Huber predigt und Christina Rau, die Gattin des Bundespräsidenten, teilnimmt.

1996

100jähriges Gemeindejubiläum, Empfang in der Aula der Alten Schule, in welcher 1892-1900 die Gottesdienste stattfanden.

1950 – 1993

Das Gemeindehaus findet in der Baracke im Büchnerweg 45 zeitweise ein Zuhause. 1993 zieht das Gemeindebüro in den 1. Stock des Kindergartengebäudes in der Friedenstr. 7. Die Remise auf dem Grundstück Arndtstr. 12 wird umgebaut zum Gemeindebüro und zu Räumen für Christenlehre und Jugendarbeit

Zweiter Weltkrieg

Das Kirchengebäude bleibt weitestgehend unzerstört, nur die Fenster werden bei einem Bombenangriff Weihnachten 1943 zerstört.

1929

Eine zweite Pfarrstelle wird eingerichtet.

1920

Die Kirche bekommt neue Glocken. Die alten Bronzeglocken wurden im 1. Weltkrieg eingeschmolzen.

1917

Durch die Druckwelle einer Explosion bei der Firma Kahlbaum in Adlershof (heute Berlin Chemie) werden die Altarfenster zerstört.

1907

Kirchenvorplatz wird fertiggestellt.

1906

Kauf des Grundstückes Arndtstr. 12 mit Villa als Pfarrhaus. Kellerräume werden als Gemeindehaus genutzt.

1900

Einweihung der Verklärungskirche in Anwesenheit der Kaiserin Auguste Viktoria.

1899

Grundsteinlegung

1898

Erster Pfarrer war Alfred Schulze.

1896

Gründung der Kirchengemeinde Adlershof und Einrichtung einer Pfarrstelle. Vorher fand die kirchl. Betreuung durch die Stadtkirche St. Laurentius in Köpenick statt. Die Verklärungskirche kurz nach ihrer Fertigstellung

1892

Hilfsprediger Domnik nimmt den Dienst in Adlershof an. Die politische Gemeinde zahlt 300 Mark Gehaltszuschuss. Die Aula in der alten Schule wurde am 02.12.1892 für kirchlichen Gebrauch geweiht. Bis zum Bau der Kirche fanden alle Gottesdienst dort statt.

Text: Annette Pietzsch, Frederik Pietzsch