Wort an die Gemeinde von Pfarrerin Maike Schöfer

„Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!“ (Gal 5,1)

„Zur Freiheit hat uns Christus befreit!“, lautet der Monatsspruch für Oktober. Der Satz stammt von Paulus. Er mahnt die Gemeinde in Galatien, die Freiheit verlieren zu können, wenn sie sich wieder unterordnen. Ein „Macht euch nicht abhängig“, steckt da drin. Ein „Lebt eure Freiheit!“. Paulus schreibt es mit Nachdruck, mit Eindringlichkeit, mit Ausrufezeichen an die Gemeinde. Bei diesem Satz denke ich an den langen, heißen Sommer, der hinter uns liegt. Hitzewelle nach Hitzewelle. Dürren, Waldbrände Wassermangel und Tote. Dazu hitzige politische Diskussionen und Debatten, über Klimawandel, Migration und die anstehenden Landtagswahlen. Besonders denke ich aber auch an den Anschlag auf den CSD in Berlin. Die Freiheit, ja, unsere Freiheit auf verschiedenen Ebenen wieder bedroht.

Es ist fast so, als rufe der Monatsspruch uns die Sache mit der Freiheit erinnernd zu: „Zur Freiheit hat uns Christus befreit!“ Ausrufezeichen! Und Martin Luther zum anstehenden Reformationstag gleich hinterher. Im Kernstück seiner 95 Thesen steckt die Rechtfertigungslehre, die meint: Wir sind frei. Gott beurteilt uns nicht danach, was wir leisten, sondern schenkt uns alles im Glauben. Allein aus Gnade und nicht aus dem eigenen Verdienst genügen wir vor Gottes Augen. Es braucht keinen ach so frommen Lebenswandel oder erzwungene Lebens- und Glaubensregeln. Das Vertrauen auf Gott reicht aus. Das war, verkürzt geschrieben, die beFREIende Erkenntnis der Reformator*innen.

Freiheit und Verantwortung gehören für Martin Luther zusammen. Sie sind sogar Merkmale des evangelischen Glaubens. Wir sind frei und gleichzeitig verantwortungsvoll gebunden. Denn die eigene Freiheit, hängt mit der Freiheit der anderen Menschen zusammen. Und wird so zur Verantwortung: wir sind unabhängig und abhängig, frei und unfrei zugleich, im Zusammenspiel von Gott, dem*der Nächsten und mir.

Gott macht uns frei und gibt uns gleichzeitig damit auch die Verantwortung, diese Freiheit weiterzutragen, immer wieder Freiräume in Gesellschaft und auch Kirche zu schaffen und da für die Freiheit einzustehen, wo sie bedroht ist:

– so müssen wir uns im Klimaschutz engagieren, denn dies schützt die Grundlagen für die Freiheit zukünftiger Generationen. Wir müssen uns für queere Menschen einsetzen, deren freies Leben und Lieben immer stärker bedroht wird. Wir müssen für Asylsuchende einstehen, ihnen eine sichere Einreise, Schutz und Integration gewährleisten. Wir müssen uns für unsere Demokratie stark machen, denn sie gewährt uns zwei wichtige Säulen der Freiheit: „Freiheit von etwas“ und „Freiheit für etwas“. Wir „müssen“ als Gesellschaft, als Kirche, als Individuen, alle zusammen, uns für das gute Leben für alle engagieren.

Vor 2000 Jahren hat Paulus schon von der Freiheit durch und in Christus geschrieben, Luther und die Reformator*innen haben für ihre beFREIenden Erkenntnisse gestritten und wir, die wir (noch) in Freiheit leben, müssen nun für sie einstehen. Für meine, deine und unsere Freiheit.

Liebe Gemeinde, aufstehen und nur Mut zur Freiheit! Ausrufezeichen!

Foto: © Stefanie Bock / fundus-medien.de